Wenn du aufhörst zu warten - warum Glück nicht in der Zukunft liegt

Veröffentlicht am 15. Juni 2026 um 13:12

Das ist der 5. Teil der Reihe "Beziehung zu dir selbst"

Es gibt eine Frage, die mich schon lange begleitet. Nicht nur in meiner Arbeit mit Menschen. Auch in meinem eigenen Leben. Die Frage lautet:

Worauf warten wir eigentlich?

Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach. Wir warten auf die richtige Beziehung. Auf mehr Sicherheit. Auf weniger Sorgen. Auf bessere Umstände. Auf den perfekten Zeitpunkt. Doch je länger ich Menschen begleite, desto häufiger entsteht in mir der Eindruck, dass viele Menschen gar nicht auf einen Menschen warten. 

Sie warten auf die Erlaubnis, endlich zu leben.

Vielleicht kennst du das. Du sitzt auf dem Sofa und denkst: Noch nicht. Noch bin ich nicht weit genug. Noch habe ich nicht genug verstanden. Noch habe ich meine Themen nicht gelöst. Noch fehlt etwas. Und ohne es zu merken, verschiebst du dein Leben ein kleines Stück weiter nach vorne. Dorthin, wo irgendwann alles stimmen soll. 

Wenn die Beziehung da ist. Wenn die Kinder größer sind. Wenn der Alltag ruhiger wird. Wenn die Sorgen weniger werden. Wenn ich mich endlich angekommen fühle. --> Dann.

Dann beginnt mein Leben. Dann darf ich glücklich sein.

Doch während wir warten, geschieht etwas. Ganz leise. Fast unbemerkt.

Das Leben vergeht. 

Nicht dramatisch. Nicht erschreckend. Einfach nur beständig. Tag für Tag. Moment für Moment. Und vielleicht liegt genau hier eines der größten Missverständnisse überhaupt.

Wir behandeln Glück oft wie ein Ziel. Wie einen Ort, den wir irgendwann erreichen. Wie einen Zustand, der dauerhaft bleibt. Doch vielleicht funktioniert Leben gar nicht so. Vielleicht ist Glück viel unspektakulärer.  Viel stiller. Viel näher.

Je älter ich werde und je länger ich Menschen begleite, desto mehr verändert sich mein Blick darauf. Früher dachte ich, Glück sei etwas Großes. Etwas, das irgendwann vollständig da ist. Heute erlebe ich es anders. 

Manchmal ist Glück für mich ein Spaziergang im Wald mit meinem Hund. Mit meinem Sohn aus tiefstem Herzen zu lachen oder eifnach nur seine Stimme zu hören. Meiner Mutter ein Spiegelei zu braten. Für einen geliebten Menschen da zu sein. Ein ehrliches Gespräch. Ein tiefer Atemzug. Oder ein Abend, an dem ich für einen Augenblick aufhöre, gegen das Leben zu kämpfen.

Nichts davon löst alle Probleme. Nichts davon macht das Leben perfekt. Und trotzdem sind genau diese Momente oft erstaunlich vollständig. Vielleicht, weil sie nichts von uns verlangen. Vielleicht, weil sie einfach da sind. Und vielleicht, weil wir in ihnen für einen Augenblick aufhören zu warten. 

Wenn ich auf die letzten Teile dieser Reihe zurückblicke, zieht sich ein Gedanke wie ein roter Faden hindurch.

Wir suchen. 
Wir sehnen uns. 
Wir halten fest. 
Wir warten. 
Auf Nähe. 
Auf Sicherheit. 
Auf jemanden, der uns das Gefühl gibt, endlich angekommen zu sein.

Und doch führt jeder dieser Wege irgendwann wieder zu derselben Frage:

Kann ich mein Leben bereits jetzt bewohnen?

Nicht irgendwann. Nicht, wenn alles perfekt ist. Sondern jetzt. Mit dem Leben, das gerade da ist. Mit den Unsicherheiten. Mit den offenen Fragen. Mit den Wünschen. Mit den unerfüllten Sehnsüchten. 

Und vielleicht wartet hier sogar noch eine weitere Falle auf uns.

Gerade diejenigen, die sich auf den Weg machen, die reflektieren, wachsen und sich entwickeln möchten, kennen sie besonders gut.

Wir machen aus unserer Entwicklung ein neues Projekt. 
Wir arbeiten an uns. Wir verstehen. Wir verändern. Wir heilen. Wir reflektieren.

Und ohne es zu merken, verschieben wir unser Leben erneut. Diesmal nicht auf die perfekte Beziehung. Sondern auf die perfekte Version von uns selbst. Erst wenn ich alles verstanden habe. Erst wenn ich alle Muster aufgelöst habe. Erst wenn ich vollkommen bei mir angekommen bin. 

Dann darf ich glücklich sein.

Doch vielleicht geht es gar nicht darum, irgendwann fertig zu sein. Vielleicht gehört das Unfertige genauso zum Leben wie das Glück. Vielleicht dürfen wir aufhören, uns ständig zu optimieren und anfangen, uns zu erlauben, einfach zu sein. Denn vielleicht liegt die größte Freiheit gar nicht darin, nichts mehr zu brauchen.

Vielleicht liegt sie auch nicht darin, immer glücklich zu sein. Vielleicht liegt sie darin, das Leben nicht länger aufzuschieben. Nicht auf den perfekten Zeitpunkt zu warten. Nicht auf den perfekten Menschen. Und auch nicht auf die perfekte Version von uns selbst. Vielleicht musst du gar nicht erst jemand anderes werden. Vielleicht musst du auch nicht erst alles verstanden haben. Vielleicht darfst du dein Leben bereits jetzt bewohnen. Unfertig. Suchend. Manchmal zweifelnd. Und trotzdem ganz da. Vielleicht besteht die größte Veränderung nicht darin, dass plötzlich alles anders wird. Sondern darin, dass du erkennst:

Das Leben findet längst statt. Hier. Jetzt. In diesem Augenblick.

Mit allem, was dazugehört. Und vielleicht ist genau das die tiefste Form von Selbstbeziehung. Nicht dich erst dann anzunehmen, wenn du angekommen bist. Sondern zu verstehen, dass du längst unterwegs bist.

Du warst es die ganze Zeit. Und vielleicht musst du heute auf nichts mehr warten. Vielleicht reicht es, diesen Moment nicht zu verpassen. 

Dies ist der letzte Teil der Reihe „Die Beziehung zu dir selbst“. Vielleicht endet die Reise hier. 
Vielleicht beginnt sie aber auch genau jetzt. 💛

🌙 Vielleicht magst du ein Stück weitergehen

Diese Reihe ist aus vielen Beobachtungen, Begegnungen und eigneen Erfahrungen entstanden. 
Sie ist eine Einladund, dich selbst wieder ein Stück näher kennenzulernen. Manchmal beginnt genau dort etwas Neues. Nicht, weil plötzlich alles gelöst ist. Sondern weil du aufhörst, gegen dich selbst zu arbeiten und beginnst, dir zuzuhören. 

Wenn du spürst, dass dich diese Themen tiefer berühren und du sie nicht nur lesen, sondern in deinem eigenen Tempo erforschen möchtest, begleite ich dich gerne ein Stück auf diesem Weg. 
In meinen Einzelbegleitungen, Seminaren und Räumen zur Bewusstseinsarbeit darf genau das entstehen, mehr VErbidnung zu dir selbst. Nicht perfekt. nicht mit fertigen Antworten. Sondern ehrlich, achtsam und in deinem Tempo. 

🩷Ich freue mich, wenn sich unsere Wege begegnen. 

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Kommentare

Monika Jantsch
Vor 4 Tage

Liebe Alessandra, Dein wunderbarer Artikel spricht mir total aus der Seele. Für mich sind es genau die kleinen Dinge im Alltag die mich glücklich machen - Die Tasse Kaffee ganz entspannt nach der Arbeit bevor es zu meinen Stunden geht. Eine liebevolle Umarmung und und und ! Glück ist immer da, wir sehen es nur nie, weil wir, wie Du so schön schreibst, auf das große ganze warten und hinarbeiten und dabei vergessen zu leben.
Herzliche Grüße
Moni

Jasmin Gerdes
Vor 4 Tage

Es wird mir mal wieder aus der Seele gesprochen. Wie oft hatte ich schon das Gefühl, nicht genug zu sein, mehr tun zu müssen, mich optimieren zu müssen, auf das perfekte zu warten egal ob Mensch oder Situation. Ich habe dank großartiger Unterstützung von vielen Seiten wieder zu mir selber gefunden und gelernt, jeden einzelnen Tag zu genießen. Denn jeder Tag hat es verdient.

Nassi Mozaffarian
Vor 4 Tage

Liebe Alessandra! Was für ein wunderbarer Artikel! Jeder einzelne Satz ist eine Wohltat für die Seele. Unglaublich schön beschrieben mit ganz viel Leichtigkeit und verständlich für jeden. Vielen Dank für diese tolle Inspiration! Ich freue mich schon auf deine weiteren Artikel! Nassi

Sabine
Vor 4 Tage

Das war das Beste, was du über „Selbsterfahrung, Selbstliebe“ geschrieben hast! In jedem Wort kann ich dir zustimmen!!!! Ich bin auf dem Weg zu mir selbst und genieße jeden Augenblick. Du bist für mich der Schlüssel und ein Geschenk 💝 Danke das es dich gi t