Mensch sein statt perfekt sein - Teil 2
Manchmal muss ich über uns Menschen tatsächlich schmunzeln.
Ich wette, du kennst das ebenfalls.
Wir beschließen, dass wir entspannter werden möchten.
Und plötzlich beginnt es:
🌙 Ich muss achtsamer werden.
🌙 Ich muss loslassen lernen.
🌙 Ich muss mein Nervensystem beruhigen.
🌙 Ich muss mehr genießen.
🌙 Ich muss mehr Pausen machen.
🌙 Ich muss mehr bei mir sein.
🌙 Ich muss…
Und irgendwann fällt uns gar nicht mehr auf, dass selbst die Leichtigkeit zu einer Aufgabe geworden ist.
Ich kenne das.
Und wenn ich ehrlich bin, war ich selbst lange Zeit genau dort unterwegs. Nicht unbedingt aus Ehrgeiz. Sondern aus einer Angst heraus, die mir lange gar nicht bewusst war. Die Angst, nicht wahrgenommen zu werden. Mich über meine Angebote zu definieren. Mich über das zu definieren, was ich tue. Was ich erschaffe. Was ich leiste.
Bis irgendwann eine Frage auftauchte, die vieles verändert hat:
Was treibt mich hier eigentlich an?
Und genau dort begann etwas, das mich schon lange begleitet und mittlerweile zu meinem Leitmotiv geworden ist:
🌙 Wahrnehmung führt zu Bewusstsein. Bewusstsein zu Veränderung.
Ich glaube nämlich, dass Veränderung oft viel einfacher beginnt, als wir denken. Nicht mit einer neuen Methode. Nicht mit noch mehr Wissen. Sondern mit einer ehrlichen Beobachtung.
Warum tue ich das gerade?
Warum kann ich nicht einfach sitzen bleiben?
Warum habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich nichts tue?
Denn vielleicht kennst du das auch. Die To-do-Liste ist nie ganz fertig. Es gäbe immer noch etwas zu erledigen. Noch eine E-Mail. Noch ein Telefonat. Noch etwas aufräumen. Noch etwas vorbereiten. Und selbst wenn wir nichts tun, denken wir an all das, was wir noch tun könnten. Verrückt eigentlich.
Ich muss an dieser Stelle etwas gestehen.
Nichtstun gehört mittlerweile tatsächlich zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.
Und weißt du, wie das meistens endet?
Ich schlafe.
Viel. 💛
Und vermutlich ist das nichts anderes als ein Körper, der sich über Jahre hinweg seine Erholung zurückholt. Und trotzdem meldet sich manchmal noch diese kleine Stimme. Du könntest doch noch dieses und jenes erledigen.
Du müsstest eigentlich noch…
Eigentlich. Ein interessantes Wort. Denn hinter diesem Wort versteckt sich oft ein alter Bekannter:
Das Funktionieren.
Und vielleicht dürfen wir genau hier etwas erkennen. Wenn wir viele Jahre funktioniert haben, verschwindet dieser Anteil nicht von heute auf morgen. Er wird leiser. Aber er geht nicht einfach weg. Und das ist vollkommen in Ordnung. Denn wir müssen uns auch von diesem Anteil nicht befreien. Er hat uns lange geholfen. Er hat uns durch herausfordernde Zeiten getragen. Er hat uns Verantwortung übernehmen lassen. Er wollte uns schützen. Nur darf er heute langsam lernen, dass er nicht mehr die Hauptrolle spielen muss.
Vielleicht beginnt Leichtigkeit nämlich gar nicht dort, wo plötzlich alles leicht wird. Vielleicht beginnt sie dort, wo wir aufhören, uns selbst ständig anzutreiben.
Wo wir erkennen: Ich muss gerade gar nichts.
Ich darf. 💛
💛 Und ich darf auch lassen.
Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, fällt mir erneut auf. Ich bin mir heute viel näher als jemals zuvor. Ich darf die Anspannung langsam loslassen. Ich darf das jahrelange Funktionieren verabschieden. Und ich darf die Leichtigkeit wieder in mein Leben einladen. Nicht, weil ich sie mir verdient habe. Sondern weil sie schon immer dazugehört hat. Vielleicht haben wir sie nur irgendwo unterwegs vergessen. Und vielleicht ist das die eigentliche Einladung dieses Artikels:
Nicht noch mehr an dir zu arbeiten. Sondern dich immer wieder zu fragen:
Wer sitzt da gerade eigentlich am Steuer?
Die Ruhe? Oder der alte Funktionsmodus?
Denn manchmal beginnt Veränderung nicht damit, noch mehr zu tun. Vielleicht beginnt sie damit, zu erkennen, was uns überhaupt antreibt. Manches erkennen wir selbst. Und manches wird erst sichtbar, wenn jemand liebevoll an unserer Seite mit hinschaut. Auch das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil unseres Weges.
Und weißt du, was das Schöne daran ist? Du musst dafür nichts lernen. Nichts leisten. Nichts optimieren. Du darfst einfach nur wahrnehmen. Denn genau dort beginnt oft alles.
🩷
Im nächsten Teil dieser Reihe wird es darum gehen, warum wir uns erlauben dürfen, unperfekt glücklich zu sein.
Und vielleicht wird das der leichteste Artikel der ganzen Reihe.
🌙 Fortsetzung folgt.
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Kommentare
Wieder mal ein wunderbarer Artikel, der tief in unsere Seelen blicken lässt. Wir erkennen uns mit Sicherheit alle wieder unsere Muster und unsere Vorstellung, wie wir zu sein haben. Danke Alex für diesen tollen Beitrag.🙏